Gehen für Fortgeschrittene

Fehlt Ihnen beim täglichen Spaziergang ein wenig die Abwechslung? Kennen Sie „Ihren“ Rundweg schon auswendig? Wie wäre es dann mit ein paar neuen Strecken? München Cool City hat gemeinsam mit der Wander- und Radl-App Komoot erneut eine Collection der schönsten Fußgänger-Touren in München zusammengestellt. Oder als trendige Alternative: verbinden Sie das klimafreundliche und gesunde Gehen mit etwas Neuem, das spannend ist und den Spaziergang zu einem ganz anderen Erlebnis macht. Unsere Beispiele aus München und Umgebung zeigen, was möglich ist; ganz in Ruhe oder auch mit etwas mehr Tempo.

1. Plalking: spazieren gehen und nebenbei Gutes tun

Müll sammeln beim Laufen

© tataks / istock

Im japanischen Garten des Münchner Westparks hat sie noch niemand gesichtet: Samurai, die beim Gehen Müll einsammeln. In Japan sind sie schon echte Stars. Hunderttausende schauen sich die Videos an, mit denen die Samurai fürs Müllsammeln beim Spazierengehen werben – und so immer mehr Menschen zum Mitmachen beim Umweltschutz bewegen.

Wie München gilt Japan als vergleichsweise sauber: Es ist meist weniger Müll auf Straßen, Gehwegen und in Parks zu finden als an anderen Orten. Aber seit Beginn der Corona-Pandemie wird der Müll mehr: vor allem durch Wegwerfartikel wie Masken und To-Go-Verpackungen für Essen und Getränke. Auch die Straßenreinigung in München hat dieses Phänomen beobachtet und reinigt deswegen nun deutlich mehr als früher.

Wer beim Gehen größere Mengen Müll entdeckt, kann das einfach der Münchner Straßenreinigung melden – oder besser noch: gleich selbst Hand anlegen und den Müll beim Gehen einsammeln. So wie die Samurai. Oder wie die europäischen Trendsetter aus Schweden, die auf die gleiche Idee gekommen sind.

Von dort stammen auch die Namen der umweltbewussten Trendsportarten, die vom schwedischen „plocka“ für „pflücken“ oder „sammeln“ hergeleitet sind:

  • Plalking: „plocka“ und „Walking“ (Englisch für Gehen), also das Gehen und gleichzeitige Mülleinsammeln und
  • Plogging: „plocka“ und „Jogging“ (Englisch für Laufen), also das Laufen und gleichzeitige Mülleinsammeln.

Auch einige Münchner*innen kombinieren Müllsammeln und Gehen schon seit ein paar Jahren und sorgen so für eine saubere Umwelt in München. Sie verabreden sich zum gemeinsamen Plogging oder Plalking, etwa an der Isar oder im Englischen Garten. Ausgerüstet mit Handschuhen, bequemer Kleidung und Müllsäcken wird eingesammelt, was in den Müll gehört: von kleinen Zigarettenkippen bis zu großen Einweg-Grills. Allein statt in einer Gruppe, nebenbei auf Wegen im Alltag oder am Wochenende geht das natürlich auch!

Wer sich nun motiviert fühlt, aber nicht allein Ploggen oder Plalken will oder einfach nur noch mehr Informationen braucht: Auf Facebook sind gleich ein paar Gruppen und Seiten mit Tipps und Terminen in der Landeshauptstadt zu finden, z.B.:

Übrigens: jedes Jahr findet am dritten Samstag im September der World Cleanup Day statt, bei dem sich Gruppen zusammenfinden, um gemeinsam den Müll von Straßen, Plätzen oder Naturflächen aufzusammeln.

2. Wandern mit Esel – von München bis ans Meer

Lotta und Esel Jonny

© Lotta Lubkolls

Von München aus führte Lotta Lubkolls erste längere Wanderung gleich mal ans Mittelmeer – und das auch noch mit einem wirklich ungewöhnlichen Begleiter: dem Esel Jonny. Mit ihrem Buch über die Reise hat die 28-Jährige einen Beststeller gelandet. Wir haben mit der Natur- und Erlebnispädagogin über das Gehen mit Esel gesprochen – und wie man auch als Münchner Stadtbewohner*in eine solch außergewöhnliche Tour machen kann.

Für wen ist das Wandern mit Esel zu empfehlen? Für wen eher nicht?
„Wenn man ganz schnell von A nach B kommen möchte und keine Zeit hat oder sich nur wenig Zeit nehmen kann, dann ist das nicht zu empfehlen. Denn mit einem Esel läuft das nicht immer so, wie man sich das vorher vorstellt. Jonny zum Beispiel läuft nur zwischen 2 und 3 km/h, also sehr langsam. Wer normal spazieren geht, läuft eher so 6 oder 7 km/h. Und eine Brücke oder ein Kuhgitter kann für den Jonny schon eine größere Aufgabe sein.“

Bei längeren Touren wie Ihrer gibt es viel mehr Gepäck zu schleppen als bei einem Tagesausflug. War Jonny der Packesel?
„Nein, das fand ich nicht fair. Ein Esel kann zwanzig Prozent seines Körpergewichts tragen, ohne Probleme zu bekommen. Deswegen hab‘ ich auch zwanzig Prozent meines Gewichts getragen. Wenn Jonny alles getragen hätte, wäre er auch nicht schneller gelaufen, vor allem bergauf. Nur bergab geht er gerne schnell. Da nimmt er so richtig den Schwung von seinem Gewicht mit und dann muss ich ihn manchmal bremsen.“

Esel gelten auch als stur. Wie war das mit Jonny auf der rund 600 Kilometer langen Wanderung?
„Ja, ein Esel bleibt auch einfach mal stehen. Das hat aber nix mit Sturheit zu tun. Der hat halt seinen eigenen Kopf und denkt auch selber. Wenn wir zum Beispiel vor einer hölzernen Brücke stehen, da ist reißendes Wasser mit lauten Stromschnellen und die Brücke knarzt und klingt hohl; dann bleibt der Jonny erstmal stehen und schaut sich das an. Solche Situationen gab es immer mal wieder. Deswegen ist es wichtig, sich auf das Tier einzulassen, wenn es Angst hat und sich einfach Zeit zu nehmen.“

Wo kann ich als Münchner*in das Wandern mit Esel ausprobieren?
„Geführte Touren gibt es zum Beispiel am Starnberger See. Da kann man eine Stunde buchen. Oder auch einen kompletten Tag, wo man zwischendurch in einem Restaurant einkehrt. Zwei, drei Stunden sind eigentlich immer ´ne ganz gute Zeit zum Ausprobieren – und es ist auch jemand dabei, damit man sich nicht verläuft oder falls mit einem Esel etwas sein sollte. Für Kinder mache ich mit dem Jonny Ferienfreizeiten rund um München. Da gibt es eine Woche lang Naturworkshops: Wir schnitzen, sägen, bauen ein Tipi und ein Floß, sind mit dem Jonny unterwegs und lernen dabei viel über Natur und natürlich über Esel.“

Im September erscheint das Hörbuch zum Besteller „Wandern, Glück und lange Ohren“. Im Winter will Lotta Lubkoll ein zweites Buch übers Reisen mit Esel Jonny schreiben. Termine für Lesungen und Vorträge sind beim Verlag zu finden.

3. Ohren auf: mit Audiowalk oder Story Run durch München

Frau läuft durch die Stadt mit Kopfhörern und Smartphone in der Hand

© Milko / istock

Audioguides kennt so gut wie jede*r: An den Stationen eines Museums oder an den Sehenswürdigkeiten einer Stadt gibt es passende Informationen auf die Ohren. Audiowalks gehen noch einen Schritt weiter: Mit Ihnen werden die Hörer*innen zur Hauptfigur eines Hörspiels – zum Beispiel bei einem Krimi in Schwabing, den man sich sozusagen „erlaufen“ kann.

Aus einem einfachen Spaziergang können Audiowalks so ein echtes Abenteuer machen. Und sie sind nicht nur etwas für die Ohren, denn sie gehen zudem auf das ein, was für die Mitmachenden zu sehen ist. Manchmal gibt es auch etwas zu riechen oder zu schmecken, um möglichst viele Sinne anzusprechen. Je nach Produktion kann man während der Geschichte auch Entscheidungen treffen, die beeinflussen, wie die Story weiter geht. In der Regel sind Audiowalks unabhängig von Öffnungszeiten oder Einschränkungen durch die Corona-Pandemie – also so gut wie jederzeit nutzbar, allein oder auch zusammen mit anderen.

Einer dieser spannenden Audiowalks führt mitten durch München. Dabei versucht Detektivin Dorothea ihren ersten Fall zu lösen: den Mord des Altschwabinger Urgesteins Toni. Der etwa 40-minütige Spaziergang führt quer durch Altschwabing. Alles, was dazu nötig ist: ein Smartphone, die kostenlose App „Storydive“ (Android/iOS) und Kopfhörer. Die Standorterkennung der App sorgt dafür, dass die Geschichte am richtigen Ort beginnt; in diesem Fall an der Münchner Freiheit (Ecke Leopoldstraße/Feilitzschstraße). Gesprochene Wegbeschreibungen weisen dann die Richtung zu den nächsten Kapiteln.

Wer sich etwas mehr Tempo oder noch mehr Spannung wünscht: Manche Apps bieten noch außergewöhnlichere und verrücktere Ideen an, zum Beispiel mit imaginären Zombies, vor denen man fliehen muss.