Netz der Zukunft: Ausbau des Münchner ÖPNV

Wie soll Münchens Verkehrsangebot im Jahr 2030 aussehen? Diese Frage bewegt viele Münchner*innen sehr stark. In dem neuen, 2019 und 2020 in einer Mobilitäts-Werkstatt entstandenen Mobilitätsplan sind deshalb auch die Ideen der Bürger*innen miteingeflossen.

Im Mai 2019 wurde in der Mobilitäts-Werkstatt besprochen, wie man dem steigenden Einwohner- und Arbeitsplatzbedarf der Landeshauptstadt München gerecht werden kann. Ein dabei priorisiertes Ziel: München soll nachhaltig mobil werden. Dafür hat der Stadtrat den Ausbau des Streckennetzes von U-Bahn, Bus und Tram daran anschließend beschlossen.

Die Ziele der Verkehrswende der bayerischen Landeshauptstadt wurden dabei bereits auf den Weg gebracht: „Mehr Kapazität, besser für die Umwelt und höhere Flexibilität“ lautet die Formel für das „Netz der Zukunft“, in das bis zu 5,5 Milliarden Euro fließen.

Auf Basis des Bürgerbegehrens „sauba sog i – Reinheitsgebot für Münchner Luft“ hat der Stadtrat außerdem beschlossen, bis 2025 durch Förderung des öffentlichen Nahverkehrs, des Fuß- und Radverkehrs sowie alternativer emissionsarmer Fahrzeuge 80 Prozent des Münchner Stadtverkehrs zu reduzieren.

Mobilitätswende München: günstigere Tarife, neue Infrastruktur, weniger CO2

MVG Bus

© MVG, Ines Thoma​

Die wichtigsten Infrastruktur-Projekte der vergangenen drei Jahre haben den ÖPNV für alle attraktiver und klimafreundlicher gemacht. Dazu gehören:

  • die Umstellung der Busflotte und Fahrzeugflotte auf emissionsarme Antriebe,
  • eine inter- und mulitmodale Mobilitätsplattform,
  • ein kontinuierlicher Ausbau des Leistungsangebots und
  • eine Verbesserung der Barrierefreiheit der Fahrzeuge und Bahnhöfe.

Außerdem wurde im August 2020 eine Tarifreform auf den Weg gebracht. Dazu gehörte auch die Einführung eines 365-Euro-Tickets für Auszubildende und Schüler, mit dem junge Menschen Busse und Bahnen im gesamten MVV-Verbundsgebiet unbegrenzt nutzen können. Studierende profitieren von der Einführung des MVV-Semestertickets ab 69,40 Euro (Stand Oktober 2021).

Tarifreform, Ausbau des Leistungsangebotes und multimodale Mobilitätsplattform stellen wesentliche Verbesserungen für die Nutzer*innen des ÖPNV dar. Aber vor allem auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit wurden viele klimafreundlich Neuerungen und Pläne im Münchner Nahverkehr bereits umgesetzt oder sind für die nächsten Jahre schon fest eingeplant. Zu den wichtigsten Maßnahmen, um CO2 einzusparen, gehören unter anderem:

  • Im Jahr 2018 waren erstmals zwei E-Busse auf der Linie X30 im Einsatz. Seit März 2019 wird Linie 100, seit Oktober 2020 der Stadtbus 144 komplett mit E-Bussen betrieben.
  • Seit 2019 sind 47 neue Hybridbusse im Stadtverkehr unterwegs.
  • Die MVG fährt derzeit zu rund 80 Prozent elektrisch (U-Bahn und Tram); das Ziel ist eine Aufstockung auf 100 Prozent. Bis Ende 2021 sollen dafür insgesamt 26 batteriebetriebene Busse angeschafft werden.
  • Mit den Programmen „MVG Rad“ und „MVG eRad“ sind derzeit mehr als 4.000 Leihräder für eine emissionsarme Fortbewegung für die Münchner*innen verfügbar. Abrufbar sind sie über die MVG more App auf dem Smartphone.
4 Münchner*innen mit Leihrädern

© MVG, Kerstin Groh

Die Zukunft des Münchner ÖPNV

MVG Betriebszentrum

© SWM/MVG

Smarte, schnelle und vor allem effiziente innerstädtische Verkehrsanbindungen, die flexibel nutzbar sind und das Klima weniger belasten, werden immer wichtiger. Deshalb setzt die Stadt München den Ausbau des ÖPNV-Streckennetzes bereits um. Beschlossen und geplant sind unter anderem neue Tram-Tangenten und die neue Linie U9 von Sendling bis Schwabing, die auf 10,5 Kilometern verbunden werden. Für diese Strecke sind insgesamt fünf neue U-Bahnhöfe geplant. Man sieht: Auch wenn die Münchner U-Bahn inzwischen schon ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert hat – sie bleibt am Puls der Zeit, wird modernisiert und weiter ausgebaut, wenn auch München wächst.

Einige Netzausbau-Projekte wurden bereits begonnen – wie die Verlängerung der U5 nach Pasing und Freiham. Die Planfeststellungsunterlagen für die Tram-Verbindung durch den Münchner Westen, die bis 2026 fertiggestellt werden soll, wurde im April 2020 bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Die Tram-Strecke soll künftig die Stadtbezirke Neuhausen-Nymphenburg, Laim, Hadern, Sendling-Westpark und Thalkirchen-Obersendling-Fürstenried-Solln verbinden.

Neue Linien und Express-Spuren machen auch den Busverkehr deutlich attraktiver. So besteht die Verbindung durch den neuen ExpressBus X80 jetzt beispielsweise als Anschluss zur S4. Und auch die Stadtbuslinie 139 ist bis zu elf Minuten schneller als vorher – ebenso andere Buslinien.

Freuen können Sie sich als Münchner ÖPNV-Nutzer*innen also auf komfortable neue Linien, bessere Anbindungen zum Hauptbahnhof – ohne Umsteigen – und neue Parkplätze an den Stationen wie der zukünftigen U9, um das Auto einfach stehen lassen zu können.

Und das ist erst der Anfang des geplanten Netzausbaus in München. Die folgende Karte zeigt alle bestehenden und geplanten U- und Tram-Linien in München im Überblick:

Infrastrukrurentwicklung ÖPNV


Die geplanten U-Bahn- und Tram-Projekte der Münchner Nahverkehrs-Offensive sind im Einzelnen:

 

  • Die U5 fährt bald vom Laimer Platz bis Pasing: Schon in der Umsetzung befindet sich die Verlängerung der U5 bis Pasing. Voraussichtlich Ende 2021 nach Umbettung einer Starkstromleitung am Laimer Platz kann mit dem eigentlichen Bau der Untergrundstrecke begonnen werden. Eine weitere Verlängerung bis nach Freiham steht in Aussicht.
  • Der U-Bahnhof Sendlinger Tor wird bei laufendem Betrieb bis 2023 umgebaut und modernisiert.
  • Die U-Bahnflotte wird erneuert: 22 weitere moderne Metrozüge werden ab 2022 bis 2024 in den Fahrzeugbestand eingegliedert.
  • In Vorplanung bis 2025/30: Eine Entlastungsspange durch die Linie U9: Verbindung zwischen Sendling und Schwabing, zwischen Poccistraße/Implerstraße, Theresienwiese, Hauptbahnhof, Pinakothekenviertel und Münchner Freiheit.
  • Die geplante U26 soll eine Querverbindung zwischen den Haltestellen Am Hart und Kieferngarten schaffen – also zwischen U2 und U6 (jedoch abhängig von der U-Bahnspange U9).
  • Eine Verlängerung der U4 vom Arabellapark bis nach Englschalking ist geplant. Eine Erweiterung bis zur Messe München wäre möglich.
  • Die Tram-Nordtangente wird verlängert, ein 2,2 Kilometer langer Streckenabschnitt von Schwabinger Elisabethplatz bis Tivolistraße wird zurzeit geplant.
  • Geplant ist außerdem eine Verlängerung der Tram 23 bis 2026 bis zum Kieferngarten über die Bayernkaserne. Die neue, ebenfalls geplante Tram Linie 24 soll dann auf der Querverbindung zwischen Kieferngarten und Am Hart pendeln.
  • Ab 2026 soll es eine ca. 8,25 Kilometer lange Tram-Westtangente vom Romanplatz bis zur Aidenbacherstraße als Verlängerung der Linie 12 mit voraussichtlich 17 Haltestellen geben.
Frau mit FFP2 Maske an Haltestelle

© Wellnhofer Designs / Adobe Stock

All diese Erweiterungen werden den ÖPNV in München effizienter, schneller und klimafreundlicher und vor allem attraktiver für die Nutzer*innen machen. Diese Vorteile umfassen, sofern die Pläne alle umgesetzt werden können, unter anderem:

  • eine 30-prozentige Entlastung an Umsteigebahnhöfen,
  • größere Passagierkapazitäten durch die künftige Linie U9 (durch eine 44-prozentige Entlastung anderer U-Bahnlinien),
  • eine eigene Stammstrecke von U3 und U9 zur Innenstadt, dadurch dichtere Takte und weniger Verspätungen,
  • neue Direktverbindungen zum Hauptbahnhof und zur Allianz-Arena ohne Umsteigen und
  • ein zusätzlicher Wiesn-Bahnhof zur Zeit des Oktoberfestes.

 

Neben den oben genannten Verbesserungen, über die die Landeshauptstadt München die Planungshoheit hat, wird derzeit von der Deutschen Bahn (DB) und dem Freistaat Bayern auch an der 2. Stammstrecke der S-Bahn München gebaut.

Diese wird auf rund zehn Kilometern zwischen den Bahnhöfen Laim im Westen und Leuchtenbergring im Osten verkehren. Laut DB soll die 2. Stammstrecke „die bestehende Stammstrecke entlasten, im Störfall eine Ausweichmöglichkeit bieten und gleichzeitig die Einführung eines neuen Express-S-Bahn-Systems ermöglichen. Kernstück ist ein sieben Kilometer langer Tunnel, der den Hauptbahnhof und den Ostbahnhof miteinander verbindet. Der Tunnel verschwindet von Laim kommend kurz vor der Donnersbergerbrücke unter der Erde und taucht zwischen Ostbahnhof und Leuchtenbergring wieder an der Oberfläche auf. Neben den beiden Umsteigestationen Laim und Leuchtenbergring, die unter laufendem Betrieb umgebaut werden, werden die drei neuen unterirdischen Stationen Hauptbahnhof, Marienhof und Ostbahnhof komplett neu gebaut.“