Bye Bye Stand-by! Abschalten für Klimaschutz und Geldbeutel

Der Bereitschaftsbetrieb von Geräten – auch Stand-by genannt – treibt in Münchener Haushalten oft unbemerkt die Stromkosten nach oben. Und stellt zudem eine erhebliche Belastung für das Klima dar.

Wie sieht es bei Ihnen aus: Achten Sie darauf, ihre elektrischen Geräte nach der Benutzung nicht nur per Fernbedienung, sondern mit dem Netzschalter richtig vom Strom zu trennen? Wenn nicht, sind Sie in guter Gesellschaft: Laut einer aktuellen Befragung von München Cool City achtet nur die Hälfte aller Münchenerinnen und Münchner meistens darauf, ihre Geräte immer richtig auszumachen. Nur gut ein Viertel gibt an, alle ungenutzten Geräte immer ganz vom Strom zu trennen. Dabei wäre das eine der einfachsten Maßnahmen, um unnötige Stromkosten zu vermeiden und dabei gleichzeitig das Klima zu schützen.

Denn auch scheinbar ausgeschaltet verbrauchen viele Geräte weiterhin Strom. Das liegt daran, dass der „Aus“-Schalter sie lediglich in den Standby- oder Bereitschaftsbetrieb versetzt. Dadurch kann der Fernseher auf das Funksignal der Fernbedienung direkt reagieren, der Drucker springt beim Druckauftrag an oder die Waschmaschine nimmt beim Bedienen des Programm-Knopfes sofort ihren Dienst auf. Der Stand-by-Betrieb erhöht also zweifelsfrei den Komfort, aber auch Ihre Stromkosten. Sie zahlen für etwas, das Sie gar nicht benötigen – und die unnötigen CO2-Emissionen belasten massiv die Umwelt.

Stromverbrauch durch Stand-by: der Fakten-Check

Computer aussschalten

© Aleksandar Cvetanovic / Unsplash.com

Wie viel Strom wird durch Stand-by aber tatsächlich verbraucht? In einem Münchener Haushalt gehen im Schnitt 10 bis 20 Prozent der gesamten Stromrechnung auf Kosten des Leerlauf-Betriebs. In einem durchschnittlichen 3-Personen-Haushalt im Einfamilienhaus steht das für:

  • Stromkosten in Höhe von 115 Euro im Jahr
  • einen jährlichen CO2-Ausstoß von 235 kg

Wenn das Wasser für Bad und Küche mit einem elektrisch erwärmt wird, ist das Sparpotenzial unter Umständen sogar noch größer. 

Viele Warmwasserspeicher, umgangssprachlich auch „Boiler“ genannt, halten das Wasser im Kessel unabhängig vom Verbrauch rund um die Uhr heiß, indem sie es immer wieder auf die voreingestellte Temperatur erwärmen. Dabei wird viel Strom ungenutzt verbraucht. Eine Zeitschaltuhr aus dem Baumarkt hilft dabei, die Geräte vom Strom zu trennen, wenn kein warmes Wasser benötigt wird. Hauseigentümer sollten darüber nachdenken, den Boiler gegen einen modernen elektrischen Durchlauferhitzer zu ersetzen. Diese Geräte sind deutlich effizienter als ein Warmwasser-Boiler und verbrauchen zudem kaum Strom im Stand-by. Durch die Staatliche Förderung von 100 Euro lohnt sich der Austausch gleich doppelt.

Hätten Sie’s gewusst? Energieschleuder Stand-by

Das Umweltbundesamt schätzt, dass auf ganz Deutschland betrachtet mindestens 22 Milliarden Kilowattstunden (kWh) durch den Stand-by-Betrieb von Geräten verschwendet werden. Anders ausgedrückt: Allein um die Energie für den Leerlauf-Betrieb verschiedener Elektrogeräte im Haushalt bereit zu stellen, sind bis zu vier Kohlekraftwerke oder durchschnittlich 5.500 Windkraftanlagen nötig.

Standby-Verbrauch aufspüren und vermeiden – so geht‘s

Checkliste Standby

Checkliste downloaden

Stromfresser suchen

Zunächst sollten Sie überprüfen, welche Geräte bei Ihnen vielleicht sogar unbemerkt dauerhaft Strom verbrauchen. Machen Sie dafür einen Rundgang durch Ihre Wohnung oder Ihr Haus: Welche elektrischen Geräte befinden sich in jedem Raum? Was davon hängt ständig am Strom und was wird nur punktuell gebraucht? Vergessen Sie dabei auch Geschirrspüler, WLAN-Router oder die elektrische Zahnbürste nicht. Auch diese Geräte werden meist den ganzen Tag mit Strom versorgt und nur relativ kurz aktiv genutzt. Diese Checkliste zum Download hilft Ihnen dabei, alle Geräte zu erfassen.

Steckerleiste ausschalten

© co2online.de 

Stand-by vermeiden

Haben Sie alle heimlichen Stromfresser aufgespürt, geht es dem Standby-Verbrauch an den Kragen. Achten Sie darauf, Geräte immer am richtigen Aus-Schalter komplett vom Strom zu trennen. Der WLAN-Router und der TV-Receiver werden nachts ebenso wenig gebraucht wie tagsüber, wenn niemand zu Hause ist. Hier können auch Zeitschaltuhren helfen, die Geräte regelmäßig vom Strom zu trennen. Und, keine Angst: Die Einstellungen des WLAN-Routers bleiben erhalten, wenn Sie diesen vom Strom trennen. Bei vielen Geräten lassen sich auch einzelne Funktionen (wie das WLAN) über Nacht deaktivieren.

Hat das Gerät, wie Waschmaschine, Geschirrspüler und viele Fernseher, keinen eigenen Netzschalter, dann bieten sich Steckdosen mit integriertem Kippschalter zum Aus- und Einschalten an (siehe Foto). Die gibt es auch als praktische Mehrfachsteckdose und, falls die Steckdose schwer erreichbar ist, als Funksteckdose die per Fernbedienung oder Smartphone steuerbar ist. Achten Sie vor allem bei neuen Geräten darauf, dass Sie mit einem echten Netzschalter, den Sie ausschalten können, versehen sind. Bei Fernsehern wird das beispielweise im Energielabel ausgewiesen.

Stromfresser vom Strom trennen mit Master-Slave-Steckdosen

Weniger bekannt, doch noch praktischer als herkömmliche schaltbare Steckdosen, sind sogenannte „Master-Slave“-Steckdosenleisten. Bei diesem System ein Hauptgerät als „Master“ in die erste Steckdose der Leiste gesteckt. Die anderen Geräte kommen in die folgenden Steckdosen und sind als „Slaves“ an das Verhalten der ersten Steckdose gebunden. Ist der Computer also beispielsweise als Master-Gerät definiert, werden alle folgenden Geräte, wie Drucker, Scanner und Soundsystem, immer dann ebenfalls mit Strom versorgt, wenn der Computer angeschaltet wird. Wird der Computer heruntergefahren, kappt die Steckdose auch die Stromzufuhr aller weiteren Geräte, die Sie dann eh nicht mehr benutzen. Besonders praktisch sind diese Steckdosenleisten in der Küche, im Arbeitszimmer oder im Büro. Master-Slave-Steckdosen gibt es für ab zehn Euro online oder in der Elektro-Abteilung des Fachhandels zu kaufen.

Übrigens: Wenn Sie länger in den Urlaub fahren, sollten Sie auch Ihre elektrischen Geräte in den Urlaub schicken und sich die Stromkosten für den Bereitschaftsbetrieb sparen. Nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Kühlgeräte abzutauen und vom Strom zu nehmen – den Senf für die Weißwürste können Sie in der Zwischenzeit den Nachbarn anvertrauen. Auch bei WLAN, Funkwecker, HiFi-Anlage und Co. sollten Sie den Stecker ziehen. So schützen Sie die Geräte außerdem vor Überspannung und Blitzschlag.

Welches Gerät verbraucht wie viel im Stand-by?

Infografik zu Standby bei Elektrogeräten

Infografik vergrößern

Die Faustregel lautet: Alte Geräte verbrauchen in der Regel besonders viel Strom für Stand-by. Eine ältere Stereoanlage verbraucht jährlich beispielsweise rund 120 kWh und 35 Euro Stromkosten für den Standby-Betrieb. Wer Musik stattdessen mit dem Handy und einer aufladbaren Lautsprecherbox hört, zahlt für den Schlummer-Strom nur rund zwei Euro im Jahr. Auch bei Fernseher und Co. sind alte Geräte im Leerlauf-Betrieb echte Stromfresser. Neue Geräte dürfen laut EU-Verordnung seit 2014 im Bereitschaftsbetrieb hingegen nur noch maximal zwei Watt verbrauchen und maximal ein Watt, wenn sie komplett ausgeschaltet sind.

Verbrauch von Stand-by messen

Wenn Sie genau wissen möchten, wie viel Strom eines Ihrer Geräte im Stand-by-Betrieb verbraucht, können Sie mit einem Strommessgerät nachmessen. Das Gerät stecken Sie einfach zuerst in die Steckdose und dann den Stecker von dem Gerät, das Sie überprüfen möchten, in den Strommesser. Auf der digitalen Anzeige des Messgeräts sehen Sie sofort, wie viel Strom das Gerät auch dann aus der Steckdose zieht, wenn es gar nicht eingeschaltet ist. In München gibt es mehrere Möglichkeiten, ein Strommessgerät zu erhalten: Mit dem Bibliotheksausweis können Sie beispielsweise in manchen Münchner Bibliotheken die Energiesparbox inklusive Messgerät entleihen (Übersicht der teilnehmenden Bibliotheken auf www.energiekostenmonitor.de). Bei den Stadtwerken München kann ein Strommessgerät gegen eine Gebühr entliehen werden. 

Strommessgerät

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