Messen im Wohnzimmer

Wie die Stadtwerke München (SWM) ihren Kunden beim Stromsparen helfen

Wenige Menschen kennen den Stromverbrauch der Münchner so gut wie Stefan Memminger. Er leitet bei den Stadtwerken die Energieberatung. Dabei berät er täglich Menschen übers Telefon oder persönlich bei den SWM und erklärt ihnen, wie sich deren Stromkosten zusammensetzen und wie sie ihren Verbrauch am einfachsten senken können.

Stefan Memminger ist Energieberater von den Stadtwerken München

© Stefan Memminger / Stadtwerke München

Herr Memminger, reden wir über Transparenz – wissen Sie eigentlich, wie hoch Ihr eigener Strom-Verbrauch ist?

Klar! Pro Jahr rund 3400 kWh. Vor einigen Jahren lag er aber noch weit über 5000 kWh.

Wie haben Sie den Verbrauch so stark gesenkt?

Zum einen haben wir einen sparsamen Kühlschrank gekauft und unsere Halogenbeleuchtung durch LEDs ersetzt. Das hat zusammen pro Jahr 280 kWh, oder 70 Euro, Ersparnis gebracht. Zum anderen sind aber auch zwei unserer drei Kinder ausgezogen. So sehr deren Weggang schmerzte, so schön sind die knapp 1000 kWh Strom-Ersparnis pro Kind.

Helfen Sie Ihren Kunden zu ähnlich großen Ersparnissen?

Manchmal schon. Das hängt auch davon ab, wie aufwändig wir sie beraten und wie groß die Bereitschaft der Kunden ist, ihr Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls nachhaltig zu verändern. Eine Stromsparberatung vor Ort kann man für ein bis zwei Stunden für 199 Euro mit einem entsprechenden Antrag erhalten.

 

Wie läuft die Beratung denn ab?

Erst rufen die Kunden bei uns an, oder kommen direkt vorbei in unserem SWM-Shop im Untergeschoss vom U-Bahnhof Marienplatz oder in unserer SWM Zentrale in München Moosach am Westfriedhof, wo man auch Strom-Messgeräte für 14 Tage gratis leihen kann. Danach folgen zwei mögliche Wege.

 

Der erste für Haushalte mit geringem Einkommen.

Genau. Wenn Kunden uns plausibel erklären, dass sie ein geringes Einkommen haben, reicht das ohne Nachweis. Dann kommt ein Kundenberater gratis für ein bis zwei Stunden zu den Kunden nach Hause. Da bringt er als Einstieg zum Energiesparen ein gratis Energiespar-Paket mit Steckdosenleiste, zwei LED-Lampen, einem Kühlschrank-Thermometer und einem Perlator zum Wassersparen. Wichtigster Bestandteil der Beratung ist die gemeinsame Analyse des Verbrauchs (etwa bei Nachtspeicheröfen, beim Standby-Betrieb ohne Steckerleisten oder bei veralteten Geräten). Daraus ergeben sich praxisnahe Tipps, wie die Energiekosten gesenkt werden können. Zudem prüft der SWM-Berater, ob die Kunden den passenden Tarif haben.

 

Finden sich da meistens Möglichkeiten zum Sparen?

Fast immer. Im Schnitt verbrauchen die Kunden im Jahr nach der Beratung 10,3 Prozent weniger Strom.

 

Und der zweite Weg?

Der ist für die Kunden, deren Einkommen für eine kostenlose Beratung zu hoch ist. Ein Stromsparberater führt eine aufwändigere Prüfung durch: Neben der bereits geschilderten Verbrauchsanalyse untersucht er die Heizung, die Warmwasserversorgung und die größeren elektrischen Geräte.

 

…das klingt wirklich aufwändig!

Ja, diese Beratung kostet auch 199 Euro und wird meistens eher von Kunden mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden angefragt. Da amortisiert sich dann aber die Untersuchung auch oft schon nach nur sechs Monaten.

 

Haben viele Kunden so großes Potential zum Strom sparen?

Das ist individuell unterschiedlich. Aber wir haben mal einen Stromspar-Wettbewerb ausgerufen. Da konnten die Teilnehmer ihren Verbrauch zwischen 9 Prozent und 30 Prozent senken.

 

Können dabei auch digitale Stromzähler helfen?

Zukünftig schon. Im Rahmen der Energiewende werden erneuerbare Energien zunehmend dezentral Strom erzeugen. Das stellt neue Anforderungen an die Stromnetze. Digitale Netze ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch aufeinander abzustimmen. Dazu gehören auch digitale, „intelligente“ Stromzähler. Ein intelligentes Messsystem besteht aus zwei Komponenten: der „modernen Messeinrichtung“ und dem „Smart-Meter-Gateway“, das die Daten übermittelt. Sie unterliegen beide den Sicherheitsvorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI. Die Messeinrichtung wird von den SWM bereits seit Juli 2017 verbaut. Bei den Smart-Meter-Gateways wird die Zertifizierung des BSI für Anfang 2019 erwartet. Sobald diese vorliegt, werden wir mit dem Einbau beginnen.

 

Wohin schicken die Smart Meter dann ihre Messdaten?

Die Kommunikationseinheit ist das „Smart-Meter-Gateway“. Eine Pflicht zum Einbau besteht nur bei Kunden mit einem Jahresverbrauch über 6.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das heißt: Mehr als 90 Prozent aller Zählpunkte in München erhalten die moderne Messeinrichtung, vor allem bei Privathaushalten wird aber auf die Kommunikationseinheit und damit auf die Möglichkeit des automatisierten Datenaustausches verzichtet. Denn als kommunales Unternehmen achten wir die Datenhoheit unserer Kundinnen und Kunden. Die zukünftig von den Smart-Meter-Gateways erhobene Daten werden von dem verantwortlichen Messstellenbetreiber verwaltet, welcher die Daten allen notwendigen Marktteilnehmern sowie dem Kunden selbst zur Verfügung stellt. Für München wird diese Rolle von den SWM wahrgenommen.

 

Kann man denn heute schon sagen, ob sich Münchener Stromkunden von anderen unterscheiden?

Hier ist der Pro-Kopf-Verbrauch recht hoch. Hier leben einfach viele wohlhabende Menschen, und es gibt viele Single-Wohnungen mit eigenem Kühlschrank, Fernseher und so weiter. Der Verbrauch eines Singles ist über die vergangenen zehn Jahre sogar gestiegen von etwa 1500 kWh auf 1800 kWh pro Jahr, was vor allem an der Verbreitung von Flat Screens, großen PC-Bildschirmen, iPads und so weiter liegen kann.

 

Wollen Sie persönlich diesem Trend entgegenwirken und Ihren Verbrauch noch weiter senken?

ja, ich würde bei uns zu Hause gerne unter 3000 kWh im Jahr kommen – und zwar noch bevor unser drittes Kind auch auszieht.

Energieberatung der SWM

Die SWM bietet eine kostenlose Energieberatung unter der Service-Hotline 0800-796 796-0. Zudem gibt es täglich von 9 – 12:30 Uhr eine kostenlose Energieberatung für Haushalte mit geringem Einkommen unter: 089-23 61 23 61.